Der Herbst ist da, die Tage werden kürzer, und in Wartezimmern, Betrieben und Familienchats taucht wieder dieselbe Frage auf: grippeimpfung 2026 wer sollte wann impfen lassen – und wer zahlt eigentlich dafür? Die Antwort ist weniger kompliziert, als viele denken, aber sie hängt davon ab, zu welcher Gruppe Sie gehören. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippeimpfung nicht pauschal für alle, sondern gezielt für Menschen, bei denen eine echte Grippe besonders gefährlich werden kann, und für Menschen, die diese Personen anstecken könnten. In diesem Artikel bekommen Sie die Empfehlung für die Saison 2026/27 in einfacher Sprache erklärt: wer dazu gehört, wann der beste Zeitpunkt ist, was die Impfung kostet, wo Sie sie bekommen und was Sie danach erwartet. Alles, was hier an Zahlen und medizinischen Aussagen steht, stammt aus Quellen des Robert Koch-Instituts (RKI), der STIKO oder des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher BZgA). Was sich nicht belegen ließ, steht hier nicht – oder ist ausdrücklich als „bitte vor Ort klären“ markiert.
Kurzantwort
Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung 2026/27 vor allem Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Kranken, Bewohnern von Pflegeheimen, medizinischem Personal und engen Kontaktpersonen von Risikopatienten. Der beste Zeitpunkt ist Oktober bis Mitte Dezember, weil der Körper etwa zwei Wochen braucht, um Schutz aufzubauen. Für STIKO-Gruppen zahlt die gesetzliche Krankenkasse die Impfung.
Aktuell: Das Impf-Fenster für die Saison 2026/27 läuft jetzt
Wir schreiben Ende Oktober 2026, und das heißt: Das empfohlene Impf-Fenster für diese Grippesaison läuft genau jetzt. Die STIKO und das RKI raten, sich im Oktober, November oder in der ersten Dezemberhälfte impfen zu lassen, also bevor die Grippewelle richtig anläuft. Der Grund ist einfach: Nach der Impfung braucht der Körper etwa zwei Wochen, bis er ausreichend Schutz aufgebaut hat. Wer sich also erst impfen lässt, wenn im Bekanntenkreis schon alle husten, ist für die ersten Wochen der Welle noch nicht geschützt. Wer sich dagegen jetzt, im Oktober oder November, impfen lässt, hat den Schutz in der Regel aufgebaut, bevor die Welle ihren Höhepunkt erreicht, der meist nach dem Jahreswechsel liegt. Auch später ist eine Impfung übrigens nicht sinnlos: Wer den Herbst verpasst hat, kann sich laut BIÖG auch noch zu Beginn oder im Verlauf der Grippewelle impfen lassen. Es ist dann nur so, dass der Schutz eben erst zwei Wochen später greift. Kurz gesagt: Jetzt ist der richtige Moment, nicht erst im Januar, wenn die Wartezimmer voll sind.
Warum das in diesem Jahr besonders zählt, zeigen die Zahlen der vergangenen Saisons. In der Saison 2024/25 waren laut RKI nur 34,5 Prozent der Menschen ab 60 Jahren gegen Grippe geimpft – der niedrigste Wert seit der Saison 2008/09. Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU liegt bei 75 Prozent, und Deutschland hat dieses Ziel laut RKI bisher in keinem Bundesland und in keiner Altersgruppe erreicht. Mit anderen Worten: Gerade in der Gruppe, die am meisten von der Impfung profitieren würde, ist mehr als die Hälfte ohne Impfschutz in die Saison gegangen. Das ist keine Schuldzuweisung, sondern eine Einladung: Wer zu einer Risikogruppe gehört und noch keinen Termin hat, kann das jetzt in wenigen Minuten ändern.
Grippeimpfung 2026: Wer sollte wann impfen lassen? Die STIKO-Empfehlung 2026/27
Die STIKO unterscheidet zwei große Gruppen: die Standardimpfung und die Indikationsimpfung. Die Standardimpfung gilt für alle Menschen ab 60 Jahren – unabhängig davon, ob sie gesund sind oder Vorerkrankungen haben. Die Indikationsimpfung gilt für jüngere Menschen, bei denen ein bestimmter Grund vorliegt, zum Beispiel eine chronische Krankheit, eine Schwangerschaft oder ein Beruf mit hohem Ansteckungsrisiko. Dazu kommen Menschen, die Risikopersonen anstecken könnten, etwa weil sie mit ihnen zusammenleben oder sie pflegen. Die folgende Übersicht fasst die Empfehlung zusammen, wie sie in der aktuellen STIKO-Empfehlung steht. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung, aber sie hilft Ihnen, einzuschätzen, ob Sie dazugehören – und was Sie bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ansprechen sollten.
Menschen ab 60 Jahren
Alle Personen ab 60 Jahren sollten sich jedes Jahr im Herbst gegen Grippe impfen lassen. Der Grund: Mit dem Alter arbeitet das Immunsystem langsamer, und chronische Erkrankungen kommen häufiger dazu. Eine echte Grippe kann bei älteren Menschen deshalb eher zu Komplikationen führen, zum Beispiel zu einer bakteriellen Lungenentzündung. Für diese Altersgruppe empfiehlt die STIKO einen Hochdosis-Impfstoff oder einen adjuvantierten Impfstoff, also einen Impfstoff, der bei älteren Menschen eine stärkere Immunantwort auslösen soll. Die Wirksamkeit kann bei älteren Menschen etwas niedriger ausfallen als bei jüngeren, das räumt auch das RKI offen ein – trotzdem verhindert die Impfung nach RKI-Angaben jedes Jahr eine große Zahl schwerer Erkrankungen. Das RKI schreibt, dass in Deutschland pro Jahr etwa 400.000 Grippeerkrankungen bei Menschen über 60 durch die Impfung verhindert werden, eine Schätzung aus einer Studie von 2017, die das RKI in seiner Impfquoten-Auswertung anführt. Besonders auffällig ist, wie unterschiedlich die Impfquote nach Alter ausfällt: In der Saison 2024/25 waren laut RKI 46,6 Prozent der über 80-Jährigen geimpft, 39,1 Prozent der 70- bis 79-Jährigen, aber nur 25,3 Prozent der 60- bis 69-Jährigen. Gerade die „jüngeren Alten“ lassen sich also oft noch nicht impfen – obwohl auch sie schon zur Standardimpfung gehören. Auch regional gibt es große Unterschiede: Sachsen-Anhalt lag 2024/25 mit 51,5 Prozent am höchsten, Baden-Württemberg mit 20,4 Prozent am niedrigsten. Wo Sie wohnen, ändert an der Empfehlung nichts, aber es zeigt, wie viel Luft nach oben noch ist.
Chronisch Kranke und Menschen mit geschwächtem Immunsystem
Menschen ab einem Alter von sechs Monaten mit einem erhöhten gesundheitlichen Risiko durch eine Grunderkrankung gehören ebenfalls zur Impfempfehlung. Die STIKO nennt hier ausdrücklich chronische Erkrankungen der Atemwege, darunter Asthma und COPD, chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen, Adipositas mit einem Body-Mass-Index von 30 oder mehr, chronische neurologische Erkrankungen wie zum Beispiel Multiple Sklerose, bei der Infektionen Schübe auslösen können, sowie angeborene oder erworbene Immundefekte und HIV-Infektionen. Wenn Sie eine dieser Erkrankungen haben, ist die Grippeimpfung für Sie keine „Kann“-Entscheidung wie für gesunde junge Erwachsene, sondern eine klare Empfehlung – und sie wird von der gesetzlichen Krankenkasse getragen, dazu weiter unten mehr. Wichtig ist auch: Kinder und Jugendliche, die zum ersten Mal gegen Grippe geimpft werden und neun Jahre oder jünger sind, erhalten laut STIKO zwei Impfdosen im Abstand von mindestens vier Wochen. Kinder und Jugendliche von 2 bis 17 Jahren können alternativ mit einem Lebendimpfstoff als Nasenspray geimpft werden, wenn keine Gründe dagegen sprechen. Das ist vor allem für Kinder interessant, die Angst vor Spritzen haben – sprechen Sie das in der Kinderarztpraxis einfach an.
Schwangere
Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung allen Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel (Trimenon). Schwangere mit einer chronischen Grunderkrankung wie Asthma, Diabetes oder Bluthochdruck sollen bereits ab dem ersten Trimenon geimpft werden. Der Grund: In der Schwangerschaft verändert sich das Immunsystem, und eine echte Grippe kann für Mutter und Kind gefährlicher verlaufen als außerhalb einer Schwangerschaft. Gleichzeitig schützt die Impfung in der Schwangerschaft auch das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten indirekt mit, weil Antikörper über die Plazenta weitergegeben werden – das ist ein zusätzlicher Nutzen, den viele werdende Eltern gar nicht kennen. Wenn Sie schwanger sind und unsicher sind, ob der Zeitpunkt bei Ihnen schon gekommen ist, fragen Sie Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt: Die Empfehlung hängt vom Schwangerschaftsdrittel und von Ihren Vorerkrankungen ab, und genau dafür ist das Gespräch da. Übrigens: Die Grippeimpfung und die Corona-Impfung können laut BIÖG am selben Termin gegeben werden, das erspart einen zweiten Weg in die Praxis.
Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen gehören ebenfalls zu den Gruppen, denen die STIKO die jährliche Grippeimpfung empfiehlt. In Heimen leben viele Menschen mit hohem Risiko auf engem Raum zusammen, und ein Grippeausbruch kann sich dort schnell ausbreiten. Deshalb ist hier nicht nur der eigene Schutz wichtig, sondern auch der Schutz der Mitbewohner. In vielen Einrichtungen wird die Impfung direkt vor Ort angeboten oder über den Hausarzt organisiert. Angehörige können nachfragen, ob die Impfung für die Saison 2026/27 schon geplant ist – gerade im Oktober und November ist dafür der richtige Zeitpunkt, bevor die Erkältungs- und Grippesaison richtig losgeht.
Medizinisches Personal und Pflegekräfte
Menschen, die in der Medizin oder Pflege arbeiten, haben gleich zwei gute Gründe für die Impfung: Sie selbst haben ein erhöhtes Ansteckungsrisiko, weil sie täglich mit kranken Menschen zu tun haben, und sie können die Grippe an Patientinnen und Patienten weitergeben, die ohnehin schon geschwächt sind. Die STIKO empfiehlt die Impfung deshalb ausdrücklich für Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen. Viele Arbeitgeber bieten die Impfung als Betriebsimpfung an, oft kostenlos und während der Arbeitszeit. Wenn Ihr Arbeitgeber das nicht anbietet, bleibt der Weg über den Hausarzt oder die Hausärztin – und auch hier gilt: Für diese Berufsgruppe ist die Impfung als STIKO-Empfehlung von der gesetzlichen Krankenkasse getragen. Das Gleiche gilt für Menschen, die in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr arbeiten, wenn sie dadurch ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben.
Enge Kontaktpersonen von Risikopatienten
Sie selbst sind gesund, leben aber mit einer Person zusammen, die zur Risikogruppe gehört – zum Beispiel mit einem Elternteil über 80, einem Partner mit schwerem Asthma oder einem Kind mit Immundefekt? Dann empfiehlt die STIKO auch Ihnen die Grippeimpfung. Der Gedanke dahinter ist einfach: Wer selbst nicht schwer erkrankt, kann das Virus trotzdem weitergeben. Wenn Sie sich impfen lassen, senken Sie das Risiko, dass Sie die Grippe unbemerkt nach Hause tragen. Das gilt für Personen, die mit Risikopatienten im selben Haushalt leben, und für Personen, die Risikopatienten betreuen. Auch hier gilt: Sprechen Sie das in der Praxis an – die Impfung ist für diese Gruppe ebenfalls eine STIKO-Empfehlung und damit in der Regel eine Kassenleistung. Eine weitere, kleinere Gruppe betrifft Menschen mit direktem Kontakt zu Geflügel oder Wildvögeln, etwa aus beruflichen Gründen. Auch sie gehören zur STIKO-Empfehlung, weil sie einem besonderen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind.
Und wer gehört ausdrücklich nicht zur STIKO-Empfehlung? Gesunde Erwachsene unter 60 ohne chronische Erkrankung, ohne Schwangerschaft und ohne Kontakt zu Risikopersonen. Das heißt nicht, dass diese Menschen sich nicht impfen lassen dürfen – sie können sich nach ärztlicher Beratung impfen lassen, und viele Krankenkassen zahlen die Impfung auch für sie als freiwillige Satzungsleistung (dazu im Abschnitt zu den Kosten). Es heißt nur: Die STIKO sieht für sie kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf, und deshalb ist die Impfung für sie keine Standard- oder Indikationsempfehlung. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie doch dazugehören – etwa wegen einer Erkrankung, die Sie bisher nicht auf dem Schirm hatten –, ist ein kurzes Gespräch in der Praxis der schnellste Weg zur Klarheit.
Bester Zeitpunkt: Warum Oktober und November?
Der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung ist Oktober bis Mitte Dezember. Das ist keine willkürliche Vorgabe, sondern hängt mit dem Verlauf der Grippesaison zusammen. Die Grippewelle beginnt in Deutschland in den meisten Jahren nach dem Jahreswechsel und erreicht ihren Höhepunkt oft im Januar oder Februar. Wenn Sie sich im Oktober oder November impfen lassen, hat Ihr Körper bis dahin etwa zwei Wochen Zeit gehabt, um Antikörper aufzubauen, und der Schutz steht, wenn die Welle kommt. Lassen Sie sich erst im Dezember impfen, ist das immer noch sinnvoll, aber der Puffer bis zur Welle wird kleiner. Lassen Sie sich im Januar impfen, wenn die Welle schon läuft, ist das laut BIÖG ebenfalls noch möglich – der Schutz greift dann eben erst zwei Wochen später, und in der Zwischenzeit können Sie sich noch anstecken. Deshalb lautet die einfache Regel: Lieber jetzt im Herbst als später im Winter. Ein weiterer Grund für den Herbsttermin: Der Impfstoff wird jedes Jahr neu an die voraussichtlich zirkulierenden Viren angepasst, weil sich Grippeviren ständig verändern. Der Impfstoff für die Saison 2026/27 ist also genau für diese Saison gemacht – die Impfung vom letzten Jahr schützt nicht einfach weiter. Das ist auch der Grund, warum die Grippeimpfung jedes Jahr wiederholt werden muss, anders als zum Beispiel eine Tetanus-Auffrischung, die viele Jahre hält. Wer sich jedes Jahr impfen lässt, muss sich also nicht wundern, dass im Herbst wieder ein Termin ansteht: Das ist normal und so vorgesehen.
Ein praktischer Hinweis für alle, die ihren Termin schieben: Rufen Sie lieber heute in der Praxis an, als es auf „nächste Woche“ zu vertagen. Im Oktober und November sind die Praxen auf Grippeimpfungen eingestellt, viele bieten offene Impfsprechstunden oder Aktionstage an, und der Termin selbst dauert nur wenige Minuten. Wenn Sie zusätzlich eine Corona-Auffrischung oder eine andere Impfung brauchen, fragen Sie, ob das am selben Termin möglich ist – das spart Wege und wird von den Behörden ausdrücklich als möglich beschrieben.
Was kostet die Grippeimpfung 2026? Wer zahlt?
Für alle Menschen, für die die STIKO die Grippeimpfung empfiehlt, ist die Impfung eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Das heißt: Wenn Sie gesetzlich versichert sind und zu einer der oben genannten Gruppen gehören, zahlen Sie für Impfstoff und Impfung in der Regel nichts dazu. Das gilt für Menschen ab 60, Schwangere, chronisch Kranke, Heimbewohner, medizinisches Personal und enge Kontaktpersonen gleichermaßen. Sie brauchen dafür keine besondere Genehmigung und keinen Antrag – die Praxis rechnet direkt mit Ihrer Krankenkasse ab. Nehmen Sie Ihre Versichertenkarte mit, mehr ist in der Regel nicht nötig. Privat Versicherte sollten in ihren Tarif schauen oder kurz bei ihrer Versicherung nachfragen: Die Kostenübernahme hängt dort vom gewählten Tarif ab, eine pauschale Aussage für alle Privatversicherten lässt sich nicht treffen.
Und was ist, wenn Sie gesund und unter 60 sind und sich trotzdem impfen lassen möchten? Dann hängt die Kostenübernahme von Ihrer Krankenkasse ab. Viele gesetzliche Kassen zahlen die Grippeimpfung auch für alle Versicherten als freiwillige Satzungsleistung, also als extra Leistung, die über die Pflichtleistung hinausgeht. Einer Auswertung des Vergleichsportals gesetzlichekrankenkassen.de vom Oktober 2025 zufolge boten 57 von 70 Kassen, die zu dieser Leistung Angaben gemacht hatten, eine vollständige Kostenübernahme für die Grippeimpfung an – allerdings ist das eine Auswertung aus dem Vorjahr, und die Bedingungen können sich von Kasse zu Kasse und von Jahr zu Jahr unterscheiden. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf eine allgemeine Zahl, sondern prüfen Sie kurz die Satzung Ihrer eigenen Kasse oder fragen Sie dort nach: Ein Anruf oder ein Blick auf die Website der Kasse klärt in wenigen Minuten, ob Sie die Impfung erstattet bekommen oder ob Sie sie selbst zahlen müssen. Falls Sie selbst zahlen müssen, fragen Sie in der Praxis vorher nach den Kosten, damit es keine Überraschung gibt – die Preise können je nach Impfstoff und Praxis variieren, und eine verlässliche Pauschale lässt sich hier nicht nennen, weil sie nicht einheitlich belegt ist.
Wo kann man sich impfen lassen?
Die erste Anlaufstelle ist in den meisten Fällen die Hausarztpraxis. Hausärztinnen und Hausärzte impfen jedes Jahr im Herbst routinemäßig gegen Grippe, kennen Ihre Vorerkrankungen und können direkt beurteilen, welcher Impfstoff für Sie passt – zum Beispiel der Hochdosis-Impfstoff ab 60 oder der Nasenspray-Impfstoff für Kinder. Rufen Sie einfach an und fragen Sie nach einem Impftermin oder einer offenen Impfsprechstunde. Viele Praxen bieten im Oktober und November spezielle Zeiten nur für Impfungen an, bei denen Sie ohne lange Wartezeit drankommen. Wenn Sie keinen Hausarzt haben, können Sie sich auch in anderen ärztlichen Praxen impfen lassen, zum Beispiel bei Fachärzten, die Impfungen anbieten, oder in Impfzentren, sofern es in Ihrer Region welche gibt. Auch Betriebsärzte impfen: Viele größere Arbeitgeber bieten ihren Beschäftigten im Herbst eine Grippeimpfung direkt im Betrieb an, oft kostenlos. Fragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber oder in der Personalabteilung nach, ob es in diesem Jahr eine Betriebsimpfung gibt – das ist oft der bequemste Weg, weil Sie dafür nicht extra in eine Praxis fahren müssen.
Apotheken sind ein weiterer Weg, der in den letzten Jahren immer wichtiger geworden ist. Apotheken in Deutschland dürfen gegen Grippe impfen, und viele bieten das inzwischen an – allerdings nicht jede Apotheke, und das Angebot kann sich von Ort zu Ort unterscheiden. Der Bundestag hat im Mai 2026 mit dem Apotheken-Versorgungsweiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) eine Ausweitung der pharmazeutischen Dienstleistungen beschlossen, zu der auch ein erweitertes Impfangebot in Apotheken gehören soll. Was das im Herbst 2026 in Ihrer Stadt konkret bedeutet, hängt davon ab, ob Ihre Apotheke vor Ort Impfungen anbietet und ob sie dafür geschultes Personal hat. Die ehrliche Empfehlung lautet deshalb: Schauen Sie auf der Website Ihrer Apotheke nach oder rufen Sie kurz an, bevor Sie hingehen. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass jede Apotheke impft, und planen Sie die Hausarztpraxis als sichere Alternative ein. Gerade für Menschen mit Vorerkrankungen oder in der Schwangerschaft ist die Arztpraxis ohnehin der bessere Ort, weil dort Ihre Krankengeschichte bekannt ist und Fragen direkt geklärt werden können.
Ablauf der Impfung: So läuft der Termin ab
Der Termin selbst ist unspektakulär, und das ist gut so. In der Regel läuft es so ab: Zuerst gibt es ein kurzes Aufklärungsgespräch. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Allergien, früheren Impfreaktionen, akuten Erkrankungen und Medikamenten, die Ihr Immunsystem beeinflussen. Sagen Sie hier ehrlich, was Sache ist – auch wenn es Ihnen unwichtig vorkommt. Danach wird der Impfstoff in der Regel in den Oberarmmuskel gespritzt. Der Stich selbst dauert nur einen Moment, viele Menschen spüren kaum mehr als ein kurzes Pieksen. Bei Kindern und Jugendlichen kann alternativ ein Nasenspray-Impfstoff zum Einsatz kommen, wenn keine Gründe dagegen sprechen. Nach der Impfung bleiben Sie meist noch einige Minuten in der Praxis, damit man im sehr seltenen Fall einer allergischen Reaktion sofort helfen kann. Danach können Sie in der Regel direkt nach Hause gehen. Einen Impfpass sollten Sie mitbringen, damit die Impfung dort eingetragen wird – falls Sie ihn nicht finden, ist das kein Grund, den Termin abzusagen, die Praxis dokumentiert die Impfung auch so. Am Impftag selbst sollten Sie es etwas ruhiger angehen lassen: Schweren Sport oder körperliche Höchstleistungen verschieben Sie besser auf den nächsten Tag, weil der Körper mit der Immunantwort beschäftigt ist.
Nebenwirkungen: Ehrlich gesagt
Keine Impfung ist völlig ohne mögliche Reaktionen, und die Grippeimpfung ist da keine Ausnahme. Ehrlich gesagt gehören Rötung, Schwellung oder Schmerzen an der Einstichstelle zu den häufigsten Reaktionen – der Arm kann sich anfühlen wie nach einem Muskelkater und beim Heben etwas zwicken. Dazu können Müdigkeit, Frösteln, leichtes Fieber, Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen kommen. Diese Beschwerden sind in der Regel Zeichen dafür, dass das Immunsystem arbeitet, und sie klingen meist nach ein bis zwei Tagen wieder ab. Wichtig zu wissen: Die üblichen Grippeimpfstoffe enthalten abgetötete Virenbestandteile, sie können deshalb keine echte Grippe auslösen. Wenn Sie kurz nach der Impfung erkältet sind, liegt das nicht an der Impfung, sondern daran, dass gerade Erkältungsviren umgehen – oder dass Sie sich kurz vor der Impfung schon angesteckt hatten, bevor der Schutz aufgebaut war. Schwere Nebenwirkungen sind dagegen sehr selten. Das gilt auch für allergische Reaktionen: Wer eine bekannte Allergie gegen einen Bestandteil des Impfstoffs hat, sollte das vor der Impfung unbedingt sagen. Es gibt auch Impfstoffe ohne Hühnereiweiß, das ist eine Frage, die in der Praxis geklärt wird. Wenn nach der Impfung Beschwerden auftreten, die nicht nach wenigen Tagen abklingen, wenn Sie hohes Fieber bekommen oder sich deutlich schlechter fühlen, wenden Sie sich an Ihre Praxis. Und bei einem echten Notfall – zum Beispiel Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Kreislaufproblemen direkt nach der Impfung – rufen Sie sofort den Notruf 112. Das ist extrem selten, aber es ist gut, es einmal gelesen zu haben, bevor man es braucht.
Ein Wort noch zu einem hartnäckigen Irrtum: Die Grippeimpfung schützt nicht vor Erkältungen. Erkältungen werden von ganz anderen Viren verursacht, meist Rhinoviren, und gegen die gibt es keine Impfung. Wer nach der Grippeimpfung trotzdem eine Erkältung bekommt, ist deshalb kein Beweis dafür, dass die Impfung „nicht wirkt“ – sie wirkt gegen Grippeviren, nicht gegen Erkältungsviren. Umgekehrt schützt eine Erkältung auch nicht vor der Grippe. Beides sind Atemwegserkrankungen, aber sie sind nicht dasselbe, und genau das erklärt der nächste Abschnitt.
Grippe, Erkältung oder COVID: Woran erkenne ich den Unterschied?
Im Herbst und Winter ist fast jeder irgendwann verschnupft, und die Frage „Ist das jetzt Grippe oder nur eine Erkältung?“ stellt sich ständig. Die Unterschiede sind nicht immer eindeutig, aber es gibt typische Muster, die Ihnen eine erste Orientierung geben. Die echte Grippe (Influenza) beginnt meist plötzlich: Von einer Stunde auf die andere fühlen Sie sich richtig krank, mit hohem Fieber, trockenem Reizhusten, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Muskelschmerzen, Müdigkeit und Schwitzen. Das RKI und die beteiligten Institute beschreiben in ihrer gemeinsamen Pressemitteilung zur Grippesaison, dass nach einer Ansteckung mit dem Grippevirus etwa zwei Drittel der Betroffenen erkranken und Symptome entwickeln, die teils schwer ausfallen können, darunter plötzliches hohes Fieber über 38,5 Grad, trockener Reizhusten, Kopf- und Muskelschmerzen. Eine Erkältung dagegen beginnt meist schleichend: erst ein Kratzen im Hals, dann Schnupfen, dann vielleicht etwas Husten – aber selten hohes Fieber und selten das Gefühl, komplett aus dem Leben gerissen zu sein. COVID-19 wiederum kann sich ähnlich anfühlen wie Grippe oder Erkältung, mit Fieber, Husten, Halsschmerzen und Müdigkeit, und lässt sich anhand der Symptome allein oft nicht sicher unterscheiden. Hier hilft nur ein Test, wenn Sie es genau wissen müssen – zum Beispiel, weil Sie Kontakt zu einer Risikoperson haben oder weil Sie eine Behandlung brauchen. Wichtig ist in allen drei Fällen: Bleiben Sie bei deutlichen Symptomen zu Hause, bis es Ihnen deutlich besser geht, und schützen Sie Risikopersonen, indem Sie engen Kontakt vermeiden und in Innenräumen eine Maske tragen, wenn Sie nicht zu Hause bleiben können. Und: Wer geimpft ist, kann sich trotzdem mit Grippe anstecken – die Impfung senkt das Risiko und mildert in vielen Fällen den Verlauf, sie ist kein undurchlässiger Schutzschild. Wer trotz Impfung grippeähnliche Symptome bekommt, sollte das genauso ernst nehmen wie ohne Impfung und bei Verschlechterung ärztlichen Rat suchen.
Wenn Sie Ihr Immunsystem über den Winter grundsätzlich stärken möchten, hilft neben der Impfung das, was schon lange bekannt ist: ausreichend Schlaf, Bewegung an der frischen Luft, ausgewogene Ernährung und – so banal es klingt – regelmäßiges Händewaschen. Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag zum Immunsystem stärken im Herbst und Winter 2026. Und wenn Sie gerade verschnupft sind und sich fragen, ob es eine Erkältung ist, hilft unser Beitrag zur Erkältung bei der Einordnung. Falls Sie wegen der Kosten unsicher sind, ob Ihre Krankenkasse zahlt, lohnt sich auch ein Blick auf unseren Beitrag zur Krankenkasse Sonderkündigung, falls Sie ohnehin über einen Kassenwechsel nachdenken – wobei ein Wechsel allein wegen der Grippeimpfung selten nötig ist, weil die STIKO-Leistung bei allen gesetzlichen Kassen gleich ist.
Expertenstimme: Was das RKI zur Grippeimpfung sagt
Der damalige Präsident des Robert Koch-Instituts, Professor Dr. Lothar H. Wieler, hat es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Bundesgesundheitsministerium, BIÖG, RKI und Paul-Ehrlich-Institut so formuliert: „The flu vaccination is the best protection, even if the effectiveness may vary from season to season.“ Auf Deutsch heißt das: Die Grippeimpfung ist der beste Schutz, auch wenn die Wirksamkeit von Saison zu Saison schwanken kann. Das ist ein ehrlicher Satz, weil er zwei Dinge gleichzeitig sagt: Die Impfung ist das wirksamste Mittel, das wir gegen die Grippe haben – und sie ist nicht perfekt. Die Wirksamkeit hängt davon ab, wie gut der Impfstoff zu den Viren passt, die tatsächlich umgehen. Gerade deshalb ist es wichtig, sich jedes Jahr mit dem aktuellen Impfstoff impfen zu lassen, statt sich auf die Impfung vom Vorjahr zu verlassen. Die vollständige Pressemitteilung finden Sie beim Paul-Ehrlich-Institut, die aktuellen Impfquoten und die Zielmarke von 75 Prozent beim RKI.
Häufige Fragen zur Grippeimpfung 2026
Muss ich mich jedes Jahr gegen Grippe impfen lassen?
Ja, wenn Sie zur STIKO-Empfehlung gehören. Grippeviren verändern sich ständig, und der Impfstoff wird jedes Jahr neu an die voraussichtlich zirkulierenden Viren angepasst. Der Schutz aus dem Vorjahr reicht deshalb für die neue Saison nicht aus. Die jährliche Impfung im Herbst ist also kein Fehler im System, sondern so vorgesehen.
Kann die Grippeimpfung selbst Grippe auslösen?
Nein. Die üblichen Grippeimpfstoffe für Erwachsene enthalten abgetötete Virenbestandteile und keine vermehrungsfähigen Viren, sie können deshalb keine echte Grippe verursachen. Wenn Sie kurz nach der Impfung erkältet sind oder sich krank fühlen, liegt das an Erkältungsviren, die gerade umgehen, oder an einer Ansteckung kurz vor der Impfung, bevor der Schutz aufgebaut war.
Wann wirkt die Grippeimpfung?
Etwa zwei Wochen nach der Impfung hat der Körper in der Regel ausreichend Schutz aufgebaut. Deshalb ist Oktober bis Mitte Dezember der empfohlene Zeitraum: Dann steht der Schutz, bevor die Grippewelle nach dem Jahreswechsel ihren Höhepunkt erreicht. Auch eine spätere Impfung ist noch sinnvoll, sie schützt dann eben erst zwei Wochen nach dem Termin.
Zahlt meine Krankenkasse die Grippeimpfung?
Wenn Sie gesetzlich versichert sind und zur STIKO-Empfehlung gehören, ist die Impfung eine Pflichtleistung Ihrer Krankenkasse – Sie zahlen in der Regel nichts dazu. Wenn Sie nicht zur STIKO-Empfehlung gehören, hängt es von der Satzung Ihrer Kasse ab: Viele Kassen zahlen die Impfung auch für alle Versicherten als freiwillige Leistung. Prüfen Sie das kurz bei Ihrer eigenen Kasse, bevor Sie sich darauf verlassen.
Kann ich mich gleichzeitig gegen Grippe und Corona impfen lassen?
Ja, laut BIÖG können die Grippeimpfung und die Corona-Impfung am selben Termin gegeben werden. Das erspart einen zweiten Weg in die Praxis. Ob das in Ihrem Fall sinnvoll ist, klären Sie am besten direkt bei Ihrem Impftermin, weil es von Ihrem Impfstatus und Ihren Vorerkrankungen abhängt.
Ist die Grippeimpfung in der Schwangerschaft sicher?
Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung ausdrücklich für Schwangere ab dem zweiten Trimenon, bei chronischen Grunderkrankungen bereits ab dem ersten Trimenon. Der Grund ist, dass eine echte Grippe in der Schwangerschaft gefährlicher verlaufen kann. Wenn Sie schwanger sind, besprechen Sie den genauen Zeitpunkt mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt – die Empfehlung hängt vom Schwangerschaftsdrittel und von Ihren Vorerkrankungen ab.
Was tun, wenn ich den Herbst-Termin verpasst habe?
Impfen lassen, auch wenn es schon Januar ist. Laut BIÖG kann man sich auch noch zu Beginn oder im Verlauf der Grippewelle impfen lassen. Der Schutz greift dann erst etwa zwei Wochen nach der Impfung, aber besser spät als gar nicht – vor allem, wenn Sie zur Risikogruppe gehören und die Welle noch läuft.
Wo bekomme ich am schnellsten einen Termin?
In der Regel in Ihrer Hausarztpraxis, viele Praxen bieten im Oktober und November offene Impfsprechstunden an. Alternativ fragen Sie Ihren Betriebsarzt oder eine Apotheke vor Ort, ob sie Grippeimpfungen anbietet – rufen Sie dort vorher an, weil nicht jede Apotheke impft. Für Menschen mit Vorerkrankungen oder in der Schwangerschaft ist die Arztpraxis der beste Ort, weil dort Ihre Krankengeschichte bekannt ist.
Fazit: Wer zur Risikogruppe gehört, sollte jetzt handeln
Die Frage grippeimpfung 2026 wer sollte wann impfen lassen lässt sich am Ende kurz beantworten: Menschen ab 60, Schwangere, chronisch Kranke, Heimbewohner, medizinisches Personal und enge Kontaktpersonen von Risikopatienten sollten sich impfen lassen – am besten jetzt im Oktober oder November, damit der Schutz steht, bevor die Welle kommt. Für diese Gruppen zahlt die gesetzliche Krankenkasse die Impfung, und der Termin selbst dauert nur wenige Minuten. Die Impfung ist nicht perfekt, und sie schützt nicht vor Erkältungen, aber sie ist nach Einschätzung des RKI das wirksamste Mittel gegen schwere Grippeverläufe, das wir haben. Wenn Sie dazugehören und noch keinen Termin haben, ist heute ein guter Tag, in der Praxis anzurufen. Und wenn Sie nicht dazugehören, aber sich trotzdem impfen lassen möchten, klären Sie kurz die Kostenübernahme bei Ihrer Kasse – dann steht auch Ihrem Termin nichts im Weg.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung
Dieser Artikel informiert allgemein über die STIKO-Empfehlung zur Grippeimpfung in der Saison 2026/27 und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Ob die Impfung für Sie persönlich sinnvoll ist, welcher Impfstoff passt und ob es bei Ihnen Gründe gibt, die gegen eine Impfung sprechen, klären Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Bei schweren Beschwerden nach einer Impfung – zum Beispiel Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Kreislaufproblemen – rufen Sie sofort den Notruf 112. Bei anhaltendem hohem Fieber, Atembeschwerden oder einer deutlichen Verschlechterung Ihres Zustands wenden Sie sich ebenfalls umgehend an eine Arztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Quellen
STIKO-Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI, STIKO-Empfehlungen); Impfquoten bei Menschen ab 60 Jahren, Saison 2024/25 (RKI, Gesundheitsberichterstattung); gemeinsame Pressemitteilung von BMG, BIÖG, RKI und Paul-Ehrlich-Institut zur Grippesaison (Paul-Ehrlich-Institut, 2021).

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