Diese Winterreifen wechseln Checkliste zeigt dir Schritt für Schritt, wie du im Herbst 2026 sicher und ohne Stress von Sommer- auf Winterreifen umsteigst. Der Oktober ist der Monat, in dem die Werkstätten voll laufen, die ersten Frostnächte kommen und viele Autofahrer den Wechsel wieder bis zur letzten Minute aufschieben. Das muss nicht sein: Mit einer klaren Reihenfolge, dem richtigen Werkzeug und ein paar Prüfungen vorher erledigst du den Wechsel selbst in unter einer Stunde – oder du gehst vorbereitet in die Werkstatt und weißt genau, was dich dort erwartet.
Die gute Nachricht: Der Wechsel selbst ist keine Hexerei. Die schlechte Nachricht: Wer ihn schlampig macht – falsches Drehmoment, vergessener Reifendruck, abgefahrene Reifen –, fährt mit einem trügerischen Sicherheitsgefühl durch den Winter. Diese Checkliste hilft dir, genau das zu vermeiden. Sie richtet sich an alle, die ihre Winterreifen selbst wechseln wollen, aber auch an alle, die den Job der Werkstatt überlassen und trotzdem wissen möchten, worauf es ankommt.
Kurzantwort: Wer seine Winterreifen wechseln will, geht so vor: Alpine-Symbol und mindestens 4 mm Profil prüfen, Termin früh buchen oder selbst wechseln, Radschrauben über Kreuz mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen, Reifendruck kontrollieren und die Schrauben nach 50 Kilometern nachziehen. Die Faustregel lautet von O bis O – von Oktober bis Ostern.
Aktuell 2026: Was sich beim Winterreifenwechsel geändert hat
Das Wichtigste zuerst: In Deutschland gibt es keine feste Winterreifenpflicht nach Kalender. Es gilt die situative Winterreifenpflicht nach § 2 Absatz 3a der Straßenverkehrsordnung (StVO). Das heißt: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darfst du nur mit wintertauglicher Bereifung fahren. An einem milden Oktobertag mit trockener Straße sind Sommerreifen rechtlich noch in Ordnung – aber sobald die erste Frostnacht kommt, kann sich das über Nacht ändern.
Neu ist das nicht, aber viele Autofahrer haben es noch nicht verinnerlicht: Seit dem 1. Oktober 2024 reicht eine reine M+S-Kennzeichnung nicht mehr aus. Als wintertauglich gilt nur noch ein Reifen mit dem Alpine-Symbol – der Schneeflocke in einem dreigezackten Berg (auch 3PMSF genannt). Die Übergangsfrist für alte M+S-Reifen ohne dieses Symbol ist am 30. September 2024 abgelaufen. Wer also noch einen alten Satz mit nur M+S auf der Flanke im Keller liegen hat, darf damit bei winterlichen Bedingungen nicht mehr fahren. Schau deshalb vor jedem Wechsel zuerst auf die Reifenflanke: Kein Alpine-Symbol, kein Wintereinsatz.
Ebenfalls aktuell: Die Werkstätten sind im Oktober 2026 wieder stark ausgelastet. Wer erst beim ersten Schnee anruft, bekommt oft tagelang keinen Termin. Wer jetzt prüft, spart Nerven und Zeit.
Wenn du noch unsicher bist, welcher Reifen für dich überhaupt der richtige ist, lies zuerst unseren großen Winterreifen-Ratgeber 2026 mit Test, Kosten und Regeln. Dort findest du Testergebnisse und Kaufkriterien. Diese Checkliste hier kümmert sich um den praktischen Teil: den Wechsel selbst.
Die Winterreifen wechseln Checkliste im Überblick
Zum Abhaken – ausdrucken, in die Garage legen, Punkt für Punkt durchgehen:
- ☐ Termin oder Tag festlegen: Wechsel bis spätestens Mitte Oktober einplanen, bevor die erste Kältewelle kommt. Werkstatttermin früh buchen oder einen trockenen Tag für den Selbstwechsel wählen.
- ☐ Alpine-Symbol prüfen: Jeder Reifen muss die Schneeflocke im Berg auf der Flanke tragen. Reines M+S ohne Symbol reicht seit Oktober 2024 nicht mehr.
- ☐ Profiltiefe messen: Gesetzlich mindestens 1,6 mm – der ADAC empfiehlt für Winterreifen mindestens 4 mm. Unter 4 mm: Satz ersetzen, nicht mehr einlagern.
- ☐ Alter prüfen (DOT-Nummer): Vierstellige Zahl auf der Flanke = Produktionswoche und -jahr. Ab sechs Jahren genau prüfen, nach zehn Jahren gehört der Satz weg – auch bei gutem Profil.
- ☐ Zustand prüfen: Risse, Beulen, Schnitte oder einseitig abgefahrenes Profil? Dann ab zum Fachbetrieb, bevor du montierst.
- ☐ Werkzeug bereitlegen: Wagenheber, Radkreuz, Drehmomentschlüssel, Handschuhe, Kreide, Reifendruckprüfer, Unterlegkeile.
- ☐ Räder markieren und wechseln: Abmontierte Sommerräder mit Kreide beschriften (VR, VL, HR, HL), Winterräder achsweise tauschen, Laufrichtung beachten.
- ☐ Radschrauben über Kreuz anziehen: Erst handfest, dann nach dem Ablassen mit dem Drehmomentschlüssel auf das vorgeschriebene Drehmoment.
- ☐ Reifendruck prüfen: Nach der Montage alle vier Räder auf den Herstellerwert bringen (Tankdeckel, B-Säule oder Bedienungsanleitung).
- ☐ RDKS zurücksetzen/anlernen: Bei Reifendruckkontrollsystem den Reset im Bordcomputer durchführen oder Sensoren anlernen lassen.
- ☐ Nach 50 Kilometern nachziehen: Radschrauben nach der ersten kurzen Fahrt noch einmal mit dem Drehmomentschlüssel kontrollieren.
- ☐ Sommerräder richtig lagern: Reinigen, trocknen, kühl, dunkel und trocken lagern – Kompletträder liegend stapeln oder aufhängen.
Schritt 1: Vor dem Wechsel – die alten Winterreifen prüfen
Der häufigste Fehler beim Reifenwechsel ist, dass die alten Winterreifen ungeprüft einfach wieder draufkommen. Nimm dir vor der Montage zehn Minuten Zeit für drei Prüfungen. Sie entscheiden darüber, ob dein Satz noch einen Winter schafft oder ob du dir und deiner Familie einen Gefallen tust und ihn ersetzt.
Alpine-Symbol: Ohne Schneeflocke geht nichts
Schau auf die Reifenflanke. Dort muss das Alpine-Symbol zu sehen sein: ein Berg mit einer Schneeflocke darin. Nur dieses Zeichen belegt, dass der Reifen einen Bremstest auf Schnee bestanden hat. Eine reine M+S-Kennzeichnung (Mud and Snow) ist seit dem 1. Oktober 2024 kein Nachweis für Wintertauglichkeit mehr. Das gilt auch für Ganzjahresreifen: Sie erfüllen die Winterreifenpflicht nur, wenn sie das Alpine-Symbol tragen. Zum Vergleich der beiden Konzepte lies unseren Beitrag Ganzjahresreifen vs. Winterreifen: Vor- und Nachteile 2026.
Profiltiefe: 1,6 mm sind das Gesetz, 4 mm sind die Sicherheit
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 Millimeter – für Sommer- wie für Winterreifen. Doch für Winterreifen ist dieser Wert viel zu knapp. Der ADAC empfiehlt für Winter- und Ganzjahresreifen mindestens 4 Millimeter Restprofil, weil die Leistungsfähigkeit auf Schnee, Schneematsch und Nässe schon vorher deutlich nachlässt.
Wie groß der Unterschied ist, zeigt ein ADAC-Test mit unterschiedlich stark abgefahrenen Winterreifen: Ein Reifen mit nur noch 4 mm Profil brauchte aus Tempo 30 auf Schnee bereits 3,2 Meter mehr Bremsweg als ein Neureifen. Ein zum Vergleich mitgetesteter Sommerreifen versagte auf Schnee komplett – nur ein Viertel der Zugkraft eines neuen Winterreifens und ein 7,5 Meter längerer Bremsweg aus Tempo 30. Das ist der Unterschied zwischen Stehenbleiben und Auffahren.
Messen kannst du mit einem Profiltiefenmesser aus dem Zubehörhandel – er kostet wenige Euro und gehört in jeden Haushalt mit Auto. Als grobe Orientierung taugt auch die 1-Euro-Münze: Der goldene Rand ist exakt drei Millimeter breit. Verschwindet er vollständig in der Profilrille, hast du noch mindestens drei Millimeter. Aber Vorsicht: Drei Millimeter sind für den Winter schon zu wenig. Der Münztest sagt dir also nur „noch nicht ganz am Ende“, nicht „gut für den Winter“. Für eine verlässliche Aussage misst du mit dem Messgerät an mehreren Stellen der Lauffläche, auch innen und außen – ungleichmäßiger Verschleiß ist ein Warnsignal für falsche Spur oder falschen Luftdruck.
Alter und Zustand: Die DOT-Nummer lesen
Auch ein Reifen mit gutem Profil altert. Die Gummimischung wird mit den Jahren härter und verliert bei Kälte an Haftung. Die DOT-Nummer auf der Flanke verrät dir das Herstellungsdatum: Die letzten vier Ziffern stehen für Produktionswoche und -jahr. „3221″ bedeutet zum Beispiel: 32. Woche 2021. Als Faustregel gilt: Ab sechs Jahren gehört jeder Reifen genau geprüft, und älter als zehn Jahre sollte kein Winterreifen mehr sein – so empfiehlt es der ADAC. Achte außerdem auf sichtbare Schäden: Risse in der Flanke, Beulen, Schnitte oder eingefahrene Fremdkörper wie Nägel oder Schrauben. Ein Reifen mit einer Beule in der Flanke gehört sofort ersetzt, nicht mehr montiert. Bei Unsicherheit: Beim Reifenhändler prüfen lassen, das kostet in der Regel nichts oder wenig und ist besser als ein geplatzter Reifen bei Tempo 130.
Schritt 2: Werkzeug bereitlegen – was du wirklich brauchst
Für einen sauberen Radwechsel brauchst du kein Profi-Equipment, aber ein paar Dinge sind Pflicht. Lege alles bereit, bevor du das erste Rad löst – mitten im Wechsel nach Werkzeug zu suchen, ist der Klassiker, der Zeit und Nerven kostet.
- Wagenheber: Der Bordwagenheber aus dem Auto reicht für einen Radwechsel. Sicherer und bequemer ist ein hydraulischer Rangierwagenheber. Wichtig: Nur an den vorgesehenen Aufnahmepunkten am Unterboden ansetzen – sie stehen in der Bedienungsanleitung.
- Radkreuz oder Kreuzschlüssel: Zum Lösen und ersten Anziehen der Radschrauben.
- Drehmomentschlüssel: Das wichtigste Werkzeug beim Wechsel. Nur er zieht die Schrauben mit dem exakt vorgeschriebenen Drehmoment an. Ohne ihn rätst du – und das ist am Rad keine gute Idee.
- Unterlegkeile oder ein Holzklotz: Gegen Wegrollen sichern, vor allem auf leicht abschüssigem Untergrund.
- Handschuhe und alte Kleidung: Bremsstaub und Felgenschmutz sind hartnäckig.
- Kreide oder Wachsmalstift: Zum Beschriften der abmontierten Räder (VR, VL, HR, HL).
- Drahtbürste oder Lappen: Zum Reinigen der Radauflageflächen an Nabe und Felge.
- Reifendruckprüfer: Zum Kontrollieren des Luftdrucks nach der Montage – an der Tankstelle oder als Handgerät.
- Felgenschloss-Schlüssel: Falls dein Auto ein Felgenschloss hat, ohne den Adapter geht gar nichts.
Ein Wort zum Untergrund, das man nicht oft genug sagen kann. Der ADAC-Technikexperte Piero Scazzi bringt es so auf den Punkt:
„Der Reifenwechsel sollte nur auf ebenem und festem Untergrund durchgeführt werden, damit der Wagenheber fest steht und nicht wegrutschen kann.“
— Piero Scazzi, Technikexperte des ADAC Hessen-Thüringen
Wiese, Schotter oder eine Straße mit starker Neigung sind deshalb tabu. Und eine Regel gilt ohne Ausnahme: Niemals unter das Fahrzeug legen, solange es nur auf dem Wagenheber steht und nicht zusätzlich mit Unterstellböcken gesichert ist. Für einen Radwechsel musst du ohnehin nicht unter das Auto – also bleib auch draußen.
Schritt 3: Die Wechsel-Anleitung – Rad für Rad, in 10 Schritten
Plane für alle vier Räder rund 30 bis 60 Minuten ein, wenn du es zum ersten Mal machst. Mit etwas Übung geht es deutlich schneller. Arbeite immer ein Rad nach dem anderen – so bleibt das Auto stabil und du verwechselst nichts. Die Reihenfolge folgt im Wesentlichen der Schritt-für-Schritt-Anleitung des ADAC Nordbayern.
- Auto sichern: Auf ebenem, festem Untergrund abstellen. Handbremse anziehen, ersten Gang einlegen (bei Automatik: Wählhebel auf „P“). Unterlegkeile an das diagonal gegenüberliegende Rad legen, das am Boden bleibt.
- Radschrauben anlösen: Zuerst die Radkappe abnehmen, falls vorhanden. Dann die Radschrauben etwa eine Viertel- bis halbe Umdrehung lösen – noch bevor du das Auto anhebst. Am Boden hast du den nötigen Gegendruck; am angehobenen Rad dreht sich das Rad nur mit.
- Wagenheber ansetzen und anheben: Den Wagenheber am vorgesehenen Aufnahmepunkt ansetzen (siehe Bedienungsanleitung) und das Fahrzeug anheben, bis das Rad frei hängt und du bequem arbeiten kannst.
- Rad abnehmen und ablegen: Schrauben ganz herausdrehen und in einer Box sammeln, damit keine verloren geht. Das Rad abnehmen und flach unter das Fahrzeug legen – als zusätzliche Sicherung, falls der Wagenheber nachgibt. Hinweis: Leichtmetallräder können auf der Stahlnabe festhaften. Ein paar kräftige Stöße gegen die Reifenflanke von innen lösen sie meist. Niemals mit dem Fuß gegen die Felge treten, solange das Auto nur auf dem Wagenheber steht.
- Auflageflächen reinigen: Radnabe und Felgenauflage mit Drahtbürste oder Lappen von Rost, Schmutz und Bremsabrieb befreien. Schmutz zwischen Felge und Nabe ist ein häufiger Grund dafür, dass sich Schrauben später lockern. Gleichzeitig ein Blick auf Bremsscheiben und Bremsbeläge: tiefe Riefen oder sehr dünne Beläge gehören in die Werkstatt.
- Winterrad aufsetzen: Das Winterrad auf die Nabe setzen, auf die Laufrichtung achten (Pfeil auf der Flanke, falls vorhanden) und die Schrauben von Hand eindrehen. Dann mit dem Radkreuz über Kreuz handfest anziehen, bis das Rad sauber anliegt. Tipp des ADAC: Die Reifen mit der größeren Profiltiefe gehören immer auf die Hinterachse – auch wenn die Vorderachse stärker bremst und lenkt. Der Grund: Ein ausbrechendes Heck ist für die meisten Fahrer schwerer zu beherrschen als ein untersteuerndes Auto.
- Auto ablassen: Das abgenommene Sommerrad unter dem Fahrzeug hervorholen, dann das Auto so weit herunterlassen, bis das Rad gerade Bodenkontakt hat und nicht mehr frei dreht.
- Mit Drehmoment anziehen: Jetzt kommt der Drehmomentschlüssel. Die Radschrauben über Kreuz (im Stern-Muster) mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen – in mehreren Durchgängen, nicht in einem Rutsch. Den Wert findest du in der Bedienungsanleitung deines Autos. Als Orientierung: Bei den meisten gängigen Pkw liegen die Anzugsdrehmomente bei 110 bis 130 Nm für M12-Gewinde und 120 bis 150 Nm für M14-Gewinde. Aber: Maßgeblich ist immer die Herstellerangabe für dein Fahrzeug und deine Felgen. Ein Schlagschrauber gehört nicht ans Endmoment – er zieht unkontrolliert und kann Bolzen überdehnen. Und Fett oder Öl auf die Gewinde? Nur, wenn der Hersteller es ausdrücklich vorsieht. Schmiermittel verfälschen das Drehmoment und können zum Abreißen der Bolzen führen.
- Nächstes Rad – und Räder markieren: Dasselbe Spiel an den übrigen drei Rädern. Die abmontierten Sommerräder auf der Lauffläche mit Kreide beschriften: VR (vorne rechts), VL (vorne links), HR (hinten rechts), HL (hinten links). So weißt du im Frühjahr, wo jedes Rad saß. Der ADAC empfiehlt, die Reifen achsweise alle 8.000 bis 10.000 Kilometer zu tauschen – beim Saisonwechsel also gleich die Achsen zu tauschen: Was vorne war, kommt nach hinten und umgekehrt. So nutzen sich alle vier Reifen gleichmäßiger ab.
- Reifendruck prüfen: Nach der Montage alle vier Räder auf den vom Hersteller vorgeschriebenen Luftdruck bringen. Die Werte stehen im Tankdeckel, an der B-Säule oder in der Bedienungsanleitung. Zu wenig Druck verlängert den Bremsweg und erhöht den Verschleiß; zu viel Druck verschlechtert den Grip. Kontrolliere den Druck bei kalten Reifen – also vor der ersten Fahrt, nicht nach 20 Kilometern Autobahn.
Schritt 4: Nach dem Wechsel – die drei Dinge, die viele vergessen
1. Radschrauben nach 50 Kilometern nachziehen
Das ist der Punkt, an dem die meisten Selbstwechsler schlampen – und der wichtigste nach der Montage. Der ADAC rät, spätestens nach 50 Kilometern die Schrauben zu prüfen und gegebenenfalls nachzuziehen. Frisch montierte Räder können sich minimal setzen, vor allem wenn noch etwas Schmutz an den Auflageflächen war. Nimm dir also nach der ersten Fahrt fünf Minuten Zeit, prüfe mit dem Drehmomentschlüssel noch einmal alle Schrauben und fahre erst dann beruhigt weiter. Wer diesen Schritt auslässt, riskiert im schlimmsten Fall ein lockeres Rad.
2. Reifendruckkontrollsystem (RDKS) zurücksetzen
Fast alle Neuwagen haben ein Reifendruckkontrollsystem. Bei indirekten Systemen (die über die ABS-Sensoren messen) reicht meist ein Reset über den Bordcomputer. Bei direkten Systemen mit Sensoren in den Rädern müssen die Sensoren nach dem Wechsel unter Umständen neu angelernt werden – entweder über einen Menüpunkt im Fahrzeug oder in der Werkstatt. Wenn die RDKS-Warnlampe nach dem Wechsel dauerhaft leuchtet, ist das in der Regel kein Defekt, sondern ein fehlender Reset. Schau in die Bedienungsanleitung oder frage kurz in der Werkstatt nach – das Anlernen kostet je nach System und Betrieb extra – lass dir den Preis vorab nennen.
3. Erste Fahrt mit Gefühl
Winterreifen fühlen sich anders an als Sommerreifen: weicher, etwas schwammiger in schnellen Kurven, dafür deutlich griffiger bei Kälte. Fahre die ersten Kilometer bewusst ruhig, bremse ein- oder zweimal kräftig auf freier Strecke, um ein Gefühl für den neuen Grip zu bekommen, und höre auf ungewöhnliche Geräusche oder Vibrationen. Vibrationen am Lenkrad ab etwa 80 km/h deuten auf eine Unwucht hin – dann gehört das Rad zum Auswuchten in die Werkstatt.
Selber wechseln oder Werkstatt? Kosten, Zeit und Ehrlichkeits-Check
Die ehrliche Antwort: Beides ist richtig – es hängt von deinem Werkzeug, deinem Auto und deiner Erfahrung ab. Der Selbstwechsel spart Geld und macht unabhängig vom Werkstattkalender. Die Werkstatt ist die bessere Wahl, wenn Reifen auf Felgen ummontiert werden müssen (das geht ohne Montiermaschine zu Hause gar nicht), wenn RDKS-Sensoren angelernt werden müssen oder wenn du dir beim Anheben und Anziehen einfach nicht sicher bist. Auch bei schweren Fahrzeugen, Runflat-Reifen oder sehr großen Felgen ist der Profi die sicherere Option.
Was der Wechsel in der Werkstatt typischerweise kostet, zeigt diese Übersicht mit gängigen Preisspannen für 2026:
| Leistung (4 Räder) | Typische Preisspanne | Wann sinnvoll |
|---|---|---|
| Radwechsel (Kompletträder umstecken) | ca. 30–70 Euro | Winterräder sind bereits auf eigenen Felgen montiert |
| Reifen ummontieren inkl. Auswuchten | ca. 80–160 Euro | Ein Felgensatz wird ganzjährig genutzt |
| Rädereinlagerung pro Saison | ca. 40–100 Euro | Kein Platz zu Hause, professionelle Lagerung gewünscht |
| RDKS anlernen | nach Aufwand | Bei direkten Systemen mit Sensoren in den Rädern |
| Altreifenentsorgung | ca. 3–10 Euro je Reifen | Beim Ersatz alter Reifen |
Die Preise sind Orientierungswerte und variieren nach Region, Fahrzeug und Felgengröße. Lass dir vor dem Auftrag einen schriftlichen Komplettpreis geben, in dem Montage, Auswuchten, Ventile, Entsorgung und Mehrwertsteuer einzeln aufgeführt sind – dann gibt es hinterher keine Überraschungen. Und buche früh: In den Wochen nach dem ersten Frost sind viele Werkstätten ausgebucht, und wer dann noch Sommerreifen fährt, muss entweder warten oder riskiert bei winterlichem Wetter Bußgeld.
Ein Tipp aus der Praxis: Wer seine Winterräder als Kompletträder (Reifen plus eigene Felgen) besitzt, spart beim Wechsel gleich doppelt – der reine Radwechsel ist deutlich günstiger als das Ummontieren, und der Selbstwechsel wird überhaupt erst möglich. Die Anschaffung eines zweiten Felgensatzes rechnet sich oft schon nach zwei bis drei Saisons.
Reifen richtig lagern – damit der Satz im Frühjahr noch gut ist
Der Wechsel ist erst halb erledigt, wenn die Sommerräder richtig eingelagert sind. Falsche Lagerung lässt Gummi schneller altern, verformt Reifen und kostet dich im Frühjahr einen Satz.
- Reinigen und trocknen: Räder mit Wasser säubern, gut trocknen lassen. Fremdkörper aus den Profilrillen entfernen und die Reifen auf Schäden prüfen.
- Kühl, dunkel, trocken: Ideal ist ein kühler, dunkler und trockener Raum. UV-Licht, Hitze und Ozon (zum Beispiel von Elektromotoren, Schweißgeräten oder Heizungen) lassen Gummi schneller altern.
- Kompletträder liegend stapeln oder aufhängen: Räder mit Felgen kannst du liegend übereinander stapeln (maximal vier) oder an einem Felgenbaum aufhängen. So bleibt die Form erhalten.
- Reifen ohne Felgen stehend lagern: Lose Reifen ohne Felgen stehen senkrecht und werden alle paar Wochen etwas gedreht, damit sie sich nicht verformen. Niemals liegend stapeln – das drückt die unteren Reifen platt.
- Nicht beschriften vergessen: Die Kreide-Markierung (VR, VL, HR, HL) sagt dir im Frühjahr, wo jedes Rad saß. So kannst du den Achswechsel sauber fortsetzen.
- Luftdruck leicht erhöhen: Kompletträder vor der Einlagerung auf etwa 0,5 bar über dem Normalwert aufpumpen – das entlastet die Karkasse während der Standzeit.
Übrigens: Der Reifenwechsel ist nur ein Teil der Wintervorbereitung. Was sonst noch zum Auto im Winter gehört – Batterie, Frostschutz, Licht, Scheibenwischer –, findest du in unserer großen Checkliste: Auto winterfest machen 2026.
Die 5 häufigsten Fehler beim Winterreifenwechsel
- Alte M+S-Reifen ohne Alpine-Symbol montieren: Seit Oktober 2024 nicht mehr zulässig. Ergebnis: Bußgeld bei winterlichen Bedingungen – und im Ernstfall Ärger mit der Versicherung.
- Anzugsdrehmoment raten: „Fest“ ist nicht gleich „sicher“. Zu fest angezogene Schrauben können Bolzen überdehnen, zu lose Schrauben lockern sich. Nur der Drehmomentschlüssel mit Herstellerwert schützt vor beidem.
- Nachziehen vergessen: Nach 50 Kilometern kontrollieren – das ist keine Förmelei, sondern die letzte Sicherheitsprüfung nach der Montage.
- Abgefahrene Reifen noch einen Winter fahren: Unter 4 mm Restprofil gehört ein Winterreifen ersetzt. Der ADAC-Test zeigt: Schon bei 4 mm fehlen auf Schnee über 3 Meter Bremsweg gegenüber einem Neureifen.
- Reifendruck nicht prüfen: Falscher Luftdruck verlängert den Bremsweg, erhöht den Verschleiß und kostet Sprit. Nach jedem Wechsel prüfen – bei kalten Reifen.
Häufige Fragen zum Winterreifen wechseln
Wann muss ich auf Winterreifen wechseln?
Rechtlich gilt die situative Winterreifenpflicht: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte brauchst du wintertaugliche Bereifung mit Alpine-Symbol – egal, welcher Monat ist. Als Faustregel hat sich „von O bis O“, also von Oktober bis Ostern, bewährt. In der Praxis heißt das: Plane den Wechsel bis Mitte Oktober ein, damit dich der erste Frost nicht überrascht.
Was kostet der Wechsel in der Werkstatt?
Für das Umstecken von vier Kompletträdern sind in Deutschland typischerweise 30 bis 70 Euro realistisch. Müssen die Reifen dagegen auf den Felgen ummontiert und ausgewuchtet werden, liegen die Kosten bei etwa 80 bis 160 Euro für den Satz. Hinzu kommen je nach Bedarf Einlagerung (40–100 Euro pro Saison), RDKS-Anlernen (nach Aufwand) und Altreifenentsorgung (3–10 Euro je Reifen). Lass dir vorher einen schriftlichen Komplettpreis geben.
Kann ich Winterreifen selbst wechseln?
Ja – wenn du Kompletträder hast und das richtige Werkzeug (Wagenheber, Radkreuz, Drehmomentschlüssel). Die Anleitung oben führt dich Schritt für Schritt durch. Nicht selbst machen solltest du das Ummontieren von Reifen auf Felgen (dafür braucht es eine Montiermaschine), Arbeiten an beschädigten Reifen und alles, bei dem du dir unsicher bist. Sicherheit geht vor Sparen.
Mit wie viel Nm muss ich die Radschrauben anziehen?
Maßgeblich ist immer die Herstellerangabe in der Bedienungsanleitung deines Autos – sie hängt von Fahrzeug, Felgen und Gewinde ab. Als Orientierung liegen die Anzugsdrehmomente bei den meisten gängigen Pkw bei 110 bis 130 Nm für M12-Gewinde und 120 bis 150 Nm für M14-Gewinde. Ziehe die Schrauben über Kreuz in mehreren Durchgängen an und kontrolliere sie nach 50 Kilometern noch einmal.
Wie lange halten Winterreifen?
Das hängt von Profil und Alter ab. Zwei Grenzen gelten: Unter 4 mm Restprofil (ADAC-Empfehlung) gehört ein Winterreifen ersetzt, auch wenn die gesetzlichen 1,6 mm noch nicht erreicht sind. Und älter als zehn Jahre sollte kein Winterreifen mehr sein – ab sechs Jahren genau prüfen. Wer im Schnitt 15.000 Kilometer im Jahr fährt, kommt mit einem Satz in der Regel drei bis vier Winter weit, danach ist das Profil meist an der Grenze.
Was passiert, wenn ich ohne Winterreifen bei Schnee fahre?
Als Fahrer zahlst du 60 Euro Bußgeld und bekommst einen Punkt in Flensburg. Behinderst du andere, sind es 80 Euro; bei einer Gefährdung 100 Euro; nach einem Unfall 120 Euro – jeweils mit einem Punkt. Auch der Halter haftet: Lässt er die Fahrt mit falscher Bereifung zu, kostet ihn das 75 Euro und ebenfalls einen Punkt. Dazu kommt: Nach einem Unfall kann die Kaskoversicherung ihre Leistung wegen grober Fahrlässigkeit kürzen, wenn die falsche Bereifung ursächlich war.
Darf ich Winterreifen im Sommer weiterfahren?
Rechtlich ja – es gibt keine Sommerreifenpflicht. Sinnvoll ist es trotzdem nicht. Winterreifen haben im Sommer deutlich längere Bremswege: In Messungen von Continental brauchte ein Auto auf Winterreifen aus Tempo 100 auf trockener Fahrbahn 44,1 Meter bis zum Stillstand, auf Sommerreifen nur 36,6 Meter – ein Unterschied von 7,5 Metern. Auf nasser Fahrbahn waren es 57,3 gegenüber 51,3 Metern. Außerdem verschleißen Winterreifen bei Wärme schneller und verbrauchen mehr Sprit. Also: Im Frühjahr wieder zurückwechseln.
Muss ich das RDKS nach dem Wechsel anlernen?
Das hängt vom System ab. Indirekte Systeme brauchen meist nur einen Reset über den Bordcomputer. Direkte Systeme mit Sensoren in den Rädern müssen nach dem Wechsel unter Umständen neu angelernt werden – per Menü im Fahrzeug oder in der Werkstatt. Leuchtet die RDKS-Warnlampe nach dem Wechsel dauerhaft, ist das fast immer ein fehlender Reset und kein Defekt.
Fazit: Ein Wechsel, der sich zweimal auszahlt
Der Winterreifenwechsel ist eine der wenigen Wartungsarbeiten am Auto, bei denen du mit einer Stunde Arbeit gleich zweimal gewinnst: mehr Sicherheit auf Schnee und Eis – und keine Werkstattrechnung. Die Reihenfolge ist einfach: Prüfen (Alpine-Symbol, Profil, Alter), wechseln (über Kreuz, mit Drehmoment, Reifendruck beachten), nachkontrollieren (nach 50 Kilometern nachziehen). Wer das beherzigt und den Termin nicht bis zum ersten Schnee aufschiebt, fährt entspannt durch den Winter.
Und wenn du beim Prüfen feststellst, dass dein alter Satz am Ende ist: Dann ist jetzt – im Oktober, bei sinkenden Preisen und voller Auswahl – der beste Zeitpunkt für einen neuen. Worauf du beim Kauf achten solltest, steht in unserem Winterreifen-Ratgeber 2026. Gute Fahrt durch den Winter!
Quellen
- ADAC: Auto winterfit machen – Profiltiefe, Reifenalter, Winterreifenpflicht. adac.de
- ADAC Nordbayern (Presse): Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Selbstmontage, Nachziehen nach 50 km. presse.adac.de
- ADAC Hessen-Thüringen (Presseinformation): Reifenwechsel selber machen – Zitat Piero Scazzi. cache.pressmailing.net (PDF)
- Bußgeldkatalog Winterreifenpflicht (60/80/100/120 Euro, Halter 75 Euro). verti.de
- ADAC-Vergleichstest Profiltiefe: 4-mm-Reifen +3,2 m Bremsweg auf Schnee (aus 30 km/h), Sommerreifen +7,5 m. autoservicepraxis.de
- TCS/ADAC Winterreifentest 2026: 32 Reifen in zwei Dimensionen, fast 18 m Bremsweg-Unterschied (33,5 vs. 51,4 m aus 80 km/h auf Nässe). presseportal.ch (TCS)
- Werkstattkosten 2026: Radwechsel ab ca. 40 Euro/Satz, Altreifenentsorgung ca. 3 Euro/Reifen (Beispiel-Preisliste, Stand 07/2026). reifenzucki.de (PDF)
- Anzugsdrehmomente (M12: 110–130 Nm, M14: 120–150 Nm). autodoc.de
- Continental-Messungen: Bremsweg Winter- vs. Sommerreifen im Sommer. vwfs.de

Die CodeMatebd-Redaktion recherchiert und erklärt Themen rund um Versicherung, Auto, Finanzen und Gesundheit – verständlich, aktuell und mit Blick auf offizielle Quellen wie BaFin, ADAC, DGE und Stiftung Warentest.
