Berufsunfähigkeitsversicherung Vorerkrankungen trotzdem

Du hast eine Diagnose in der Akte, die dich schon länger begleitet — eine Depression vor ein paar Jahren, ein Bandscheibenvorfall, Bluthochdruck oder Asthma. Und jetzt fragst du dich, ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung für dich überhaupt noch infrage kommt. Die kurze Antwort vorweg: Eine berufsunfähigkeitsversicherung vorerkrankungen trotzdem ist in vielen Fällen möglich, aber der Weg dorthin sieht anders aus als bei einem Antrag ohne jede Vorbelastung. Wer 2026 einfach einen Antrag ausfüllt und abschickt, riskiert eine Ablehnung, die ihm später auch bei anderen Versicherern im Weg steht. Wer dagegen erst anonym anfragt, vergleicht und dann gezielt beantragt, hat deutlich bessere Karten.

Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund zur Vorbereitung. Versicherer prüfen nicht, ob du ein guter Mensch bist. Sie prüfen, wie wahrscheinlich es ist, dass sie in den nächsten Jahrzehnten eine Rente an dich zahlen müssen. Jede Vorerkrankung fließt in diese Rechnung ein — manche kaum, manche stark. In diesem Artikel erfährst du, warum das so ist, wie die anonyme Risikovoranfrage funktioniert, welche vier Ergebnisse sie liefern kann, was vereinfachte Gesundheitsfragen wirklich taugen und welche Alternativen es gibt, falls eine klassische BU für dich nicht erreichbar ist.

Kurzantwort: Ja, eine Berufsunfähigkeitsversicherung Vorerkrankungen trotzdem ist möglich, aber selten zum Normaltarif. Der beste Weg ist eine anonyme Risikovoranfrage: Ein Makler fragt unverbindlich mehrere Versicherer ohne deinen Namen an und vergleicht Normalannahme, Ausschluss oder Zuschlag, bevor du einen echten Antrag stellst.

Warum Vorerkrankungen für Versicherer überhaupt ein Problem sind

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine Wette auf deine Gesundheit über 20, 30 oder 40 Jahre. Der Versicherer verspricht dir eine monatliche Rente, falls du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst. Im Gegenzug zahlst du jeden Monat einen Beitrag. Damit diese Rechnung für alle Versicherten aufgeht, muss der Versicherer das Risiko jedes einzelnen Antragstellers einschätzen. Das nennt sich Risikoprüfung.

Bei der Risikoprüfung geht es nicht nur um deine aktuelle Diagnose. Der Versicherer fragt nach Behandlungen, Medikamenten, Krankenhausaufenthalten, Krankschreibungen und manchmal auch nach Hobbys und Beruf. Aus diesen Angaben entsteht ein Risikoprofil. Wer kerngesund ist, bekommt den Normaltarif. Wer Vorerkrankungen hat, bekommt je nach Schwere und Verlauf einen Aufschlag, einen Ausschluss oder eben eine Ablehnung. Das ist keine Schikane, sondern das Geschäftsmodell: Ohne diese Prüfung würden sich vor allem Menschen versichern, die schon wissen, dass sie bald Leistungen brauchen — und dann wären die Beiträge für alle unbezahlbar.

Wie groß das Risiko insgesamt ist, zeigen Zahlen, die man sich einmal bewusst machen sollte. Laut Deutscher Aktuarvereinigung (DAV) wird statistisch gesehen jede vierte erwerbstätige Person im Laufe ihres Berufslebens mindestens einmal berufsunfähig. Und laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) waren im Jahr 2022 rund 35 Prozent aller BU-Leistungsfälle auf psychische Leiden zurückzuführen, rund 22 Prozent auf Erkrankungen des Bewegungsapparats und rund 16 Prozent auf Krebs. Genau diese drei Gruppen — Psyche, Rücken, schwere chronische Krankheiten — sind es auch, die bei der Antragstellung am genauesten geprüft werden. Wer also eine Vorerkrankung aus einer dieser Gruppen hat, sollte sich auf Nachfragen einstellen, aber nicht automatisch mit einer Absage rechnen.

Ein wichtiger Punkt wird oft übersehen: Der Versicherer darf nur fragen, was er in Textform gefragt hat. Du musst nicht ungefragt deine komplette Lebensgeschichte offenlegen. Aber alles, wonach er fragt, musst du wahrheitsgemäß und vollständig beantworten. Das ist die vorvertragliche Anzeigepflicht nach § 19 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG). Der Gesetzestext steht öffentlich auf gesetze-im-internet.de. Wer hier schummelt oder etwas weglässt, riskiert weit mehr als eine höhere Prämie: Bei vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Verletzung der Anzeigepflicht kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten — und dann besteht im schlimmsten Fall genau dann kein Versicherungsschutz, wenn du ihn brauchst, nämlich im Leistungsfall. Die Rechte des Versicherers erlöschen nach § 21 Absatz 3 VVG grundsätzlich nach fünf Jahren, bei Vorsatz oder Arglist nach zehn Jahren. Das ist aber kein Freibrief zum Verschweigen, sondern nur eine Frist, nach der alte Fehler nicht mehr geltend gemacht werden können. Wer arglistig täuscht, kann den Schutz auch nach Jahren noch verlieren.

Berufsunfähigkeitsversicherung Vorerkrankungen trotzdem: die anonyme Risikovoranfrage

Die anonyme Risikovoranfrage ist das wichtigste Werkzeug, wenn du Vorerkrankungen hast. Sie funktioniert so: Statt einen offiziellen Antrag bei einem Versicherer zu stellen, lässt du deine Gesundheitsdaten anonymisiert bei mehreren Versicherern vorab prüfen. Ein spezialisierter Makler oder ein unabhängiger Versicherungsberater bereitet deine Unterlagen auf und schickt sie ohne deinen Namen, ohne Adresse und ohne Geburtsdatum an die Risikoprüfer der Versicherer. Die antworten mit einem Votum: So würden sie dich versichern, wenn du wirklich beantragen würdest.

Warum ist die Anonymität so wichtig? Weil eine Ablehnung nach einem offiziellen Antrag Folgen hat. Versicherer melden abgelehnte Anträge in der Regel an das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (HIS), eine gemeinsame Datei der Branche. Ein anderer Versicherer, bei dem du danach anfragst, sieht dann, dass du schon einmal abgelehnt wurdest — und wird vorsichtiger. Finanztip bringt es in seinem Ratgeber zur Risikovoranfrage auf den Punkt: Weil bei der anonymen Anfrage die persönlichen Angaben fehlen, landen sie nicht in einer zentralen Datenbank — sonst würde das deine Chancen für eine BU verschlechtern. Genau deshalb gilt: erst anonym testen, dann erst den echten Antrag stellen, und zwar nur bei dem Versicherer, der dir das beste Votum gegeben hat.

Schritt für Schritt: So läuft eine anonyme Risikovoranfrage ab

  1. Unterlagen sammeln. Stelle deine Gesundheitshistorie für den abgefragten Zeitraum zusammen: Arztberichte, Entlassungsbriefe nach Krankenhausaufenthalten, Befunde, Medikamentenliste mit Dosierung und Grund der Einnahme. Wenn du nicht mehr genau weißt, bei welchen Ärzten du warst, hilft eine Leistungsübersicht deiner Krankenkasse. Je vollständiger die Akte, desto verlässlicher das Votum — und desto weniger Rückfragen kommen später.
  2. Berater suchen. Wende dich an einen Makler oder Berater, der sich auf Berufsunfähigkeit spezialisiert hat und regelmäßig Risikovoranfragen stellt. Er kennt die Annahmerichtlinien der einzelnen Häuser und weiß, welcher Versicherer bei welchem Krankheitsbild großzügiger prüft. Das ist kein Detail: Zwei Versicherer können dieselbe Diagnose völlig unterschiedlich bewerten.
  3. Risikodarstellung erstellen. Der Berater fasst deine Gesundheitsdaten in einer strukturierten, anonymisierten Darstellung zusammen. Wichtig sind dabei nicht nur die Diagnosen, sondern auch der Verlauf: Wann wurde was festgestellt, wie wurde behandelt, bist du heute beschwerdefrei, nimmst du noch Medikamente? Formulierungen wie „folgenlos verheilt“ oder „seit drei Jahren beschwerdefrei und ohne Medikamente“ können den Unterschied zwischen Zuschlag und Normalannahme ausmachen.
  4. Anfragen an mehrere Versicherer schicken. Die anonymisierte Anfrage geht parallel an mehrere passende Versicherer. In der Regel dauert eine vollständige Risikovoranfrage zwischen zwei und vier Wochen, je nachdem, wie schnell Arztberichte vorliegen und wie zügig die Risikoprüfer antworten. Plane diese Zeit ein — sie ist gut investiert.
  5. Voten vergleichen und erst dann beantragen. Liegen die Antworten vor, vergleichst du sie in Ruhe: Wer bietet Normalannahme, wer verlangt einen Zuschlag, wer will einen Ausschluss, wer lehnt ab? Erst dann stellst du einen echten Antrag — bei dem Versicherer mit dem besten Ergebnis. Alle anderen Voten verfallen folgenlos, weil sie anonym waren.

Ein Tipp aus der Praxis: Lass dich nicht dazu drängen, den ersten Antrag „einfach mal zu versuchen“. Jeder offizielle Antrag, der mit einer Ablehnung endet, macht den nächsten Versuch schwerer. Die Stiftung Warentest rät in ihrem BU-Ratgeber ausdrücklich dazu, bei Vorerkrankungen Anträge parallel zu stellen oder vorher eine kostenlose Risikovoranfrage über einen spezialisierten Makler zu nutzen — statt nacheinander Ablehnungen zu sammeln.

Die vier typischen Ergebnisse — und was sie für dich bedeuten

Nach einer Risikovoranfrage bekommst du in der Regel eines von vier Voten. Alle vier sind normale Ergebnisse einer Risikoprüfung, auch wenn sich nur das erste richtig gut anfühlt. Wichtig ist: Ein Votum ist noch kein Vertrag. Aber es zeigt dir ehrlich, wo du stehst.

ErgebnisWas es bedeutetBeispiel aus der Praxis
NormalannahmeDu wirst zum Standardbeitrag versichert, ohne Aufschlag und ohne Ausschluss.Leichte, ausgeheilte Beschwerden wie eine einmalige Rückenverspannung, eine Katzenhaarallergie oder eine längst verheilte Blinddarm-OP führen bei vielen Versicherern zu gar keiner Einschränkung.
Annahme mit RisikozuschlagDu wirst versichert, zahlst aber einen prozentualen Aufschlag auf den Beitrag.In von Maklern veröffentlichten Beispielfällen lagen Zuschläge etwa bei 15 oder 25 Prozent auf den Beitrag — zum Beispiel bei Bluthochdruck oder einer zurückliegenden depressiven Episode. Die Höhe hängt immer vom Einzelfall ab.
Annahme mit AusschlussklauselDu wirst versichert, aber eine bestimmte Erkrankung oder Körperregion ist vom Schutz ausgenommen.Bei einem Bandscheibenvorfall schließen Versicherer häufig die Wirbelsäule aus — in dokumentierten Fällen teils befristet auf ein oder zwei Jahre, teils dauerhaft. Wirst du aus einem anderen Grund berufsunfähig, etwa durch einen Unfall, bist du trotzdem abgesichert.
Ablehnung (oder Zurückstellung)Der Versicherer will dich aktuell nicht versichern. Bei einer Zurückstellung kannst du es später erneut versuchen.Schwere, fortschreitende Erkrankungen wie Multiple Sklerose, eine aktive Krebserkrankung oder eine HIV-Infektion führen bei den meisten Versicherern zur Ablehnung. Eine frisch diagnostizierte Erkrankung kann auch erst einmal zurückgestellt werden, bis der Verlauf klarer ist.

Wie unterschiedlich die Bewertung ausfallen kann, zeigt ein von einem Makler dokumentierter Fall: Eine Antragstellerin mit einem Bandscheibenvorfall vor drei Jahren erhielt bei sechs angefragten Versicherern alles von der Ablehnung über befristete Wirbelsäulen-Ausschlüsse und einen Beitragszuschlag bis hin zur Normalannahme. Das ist kein Widerspruch, sondern Alltag in der Risikoprüfung. Jeder Versicherer hat eigene Annahmerichtlinien, eigene Statistiken und eine eigene Risikobereitschaft. Genau deshalb lohnt es sich, mehrere Häuser anzufragen, statt nach der ersten Absage aufzugeben.

Die Stiftung Warentest beschreibt die Lage für Menschen mit Vorerkrankungen offen und ehrlich:

„Eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, ist in solch einem Fall sehr schwierig.“

Das Zitat stammt aus dem BU-Expertenwissen der Stiftung Warentest. Es ist keine Schwarzmalerei, sondern eine Einladung, strategisch vorzugehen: Wer die Lage kennt, fragt anonym an, vergleicht und beantragt erst dann. Nach einer Umfrage der Stiftung Warentest bekam nur jeder Sechste den Vertrag, den er wollte, und knapp einem Drittel der Umfrageteilnehmer gelang es gar nicht, sich zu versichern — Grund für die meisten Ablehnungen waren Vorerkrankungen. Gleichzeitig ergab die Umfrage, dass sich Hartnäckigkeit auszahlen kann. Aufgeben nach der ersten Absage ist also fast immer der falsche Schritt.

Welche Vorerkrankungen sind besonders kritisch?

Nicht jede Diagnose wiegt gleich schwer. Als Faustregel gilt: Je schwerer die Erkrankung, je kürzer sie zurückliegt und je wahrscheinlicher sie wiederkehrt oder fortschreitet, desto schwieriger wird die Annahme. Besonders kritisch sehen Versicherer in der Regel schwere Herzerkrankungen, Tumorerkrankungen, Multiple Sklerose, HIV, Rheuma, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und schwere, andauernde psychische Erkrankungen. Mittelgradig problematisch sind oft Bluthochdruck, Diabetes, chronische Bronchitis, Bandscheibenvorfälle und leichte bis mittlere Depressionen — hier sind Zuschlag oder Ausschluss die häufigeren Ergebnisse, nicht die Ablehnung. Kaum eine Rolle spielen dagegen meist längst ausgeheilte, einmalige Ereignisse: ein verheilter Knochenbruch aus der Jugend, eine Blinddarm-OP, eine leichte Fehlsichtigkeit oder eine Katzenhaarallergie.

Bei psychischen Vorerkrankungen kommt es stark auf den Zeitabstand an. In verbraucherfreundlichen Anträgen fragen Versicherer nach zurückliegenden ambulanten psychotherapeutischen Behandlungen maximal der vergangenen drei oder fünf Jahre, so die Stiftung Warentest. Wer seine Therapie vor Jahren abgeschlossen hat und seitdem beschwerdefrei ist, hat deutlich bessere Chancen als jemand, der sich aktuell in Behandlung befindet. Wichtig: Niemand sollte eine notwendige Therapie wegen einer geplanten BU aufschieben oder abbrechen. Die Gesundheit geht immer vor — und ein späterer Antrag mit abgeschlossener, gut dokumentierter Therapie ist meist mehr wert als ein überstürzter Antrag mitten in einer Krise.

Vereinfachte Gesundheitsfragen und Aktionen: Chance mit kleinem Druck

Immer wieder bieten Versicherer zeitlich befristete Aktionen mit vereinfachten Gesundheitsfragen an. Der Gedanke dahinter: Statt des ausführlichen Fragenkatalogs musst du nur wenige, pauschale Fragen beantworten — etwa ob du in den letzten Jahren in Behandlung warst, ob du aktuell arbeitsunfähig bist oder ob bestimmte schwere Diagnosen bei dir vorliegen. Der Abfragezeitraum ist dabei oft kürzer als im normalen Antrag. Wer eine Vorerkrankung hat, die außerhalb dieses verkürzten Zeitraums liegt, kann so unter Umständen einen Vertrag bekommen, der ihm im normalen Verfahren verwehrt bliebe.

Das klingt verlockend, und manchmal ist es tatsächlich eine echte Chance. Aber du solltest die Bedingungen genau lesen, bevor du dich darauf verlässt. Erstens sind solche Aktionen fast immer befristet und oft an bestimmte Zielgruppen gebunden — zum Beispiel an bestimmte Berufe, Altersgrenzen oder an einen Arbeitgeber, der einen Gruppenvertrag anbietet. Zweitens ist der Schutz häufig begrenzt: Die versicherbare Rente kann niedriger ausfallen, Dynamik- und Nachversicherungsoptionen können fehlen, und die Gesundheitsfragen sind zwar kürzer, aber nicht weniger verbindlich. Wer eine pauschale Frage wie „Sind Sie voll arbeitsfähig?“ falsch beantwortet, riskiert denselben Ärger wie beim normalen Antrag. Drittens gilt auch hier: Eine Aktion ersetzt keine anonyme Voranfrage, wenn deine Vorerkrankung innerhalb des abgefragten Zeitraums liegt. Dann ist die klassische Risikovoranfrage weiterhin der sicherere Weg.

Ein weiterer Sonderweg sind Gruppenverträge über den Arbeitgeber, bei denen statt der ausführlichen Gesundheitsprüfung nur eine Dienstobliegenheitserklärung verlangt wird — also im Kern die Bestätigung, dass du aktuell dienstfähig bist. Auch hier gilt: Prüfe, ob du den Vertrag bei einem Jobwechsel privat weiterführen kannst und ob dann eine erneute Gesundheitsprüfung fällig wird. Ein Schutz, der mit dem Job endet, ist nur die halbe Absicherung. Wenn du jung bist und noch am Anfang deines Berufslebens stehst, lohnt sich auch ein Blick auf die Grundlagen: In unserem Überblick zur Berufsunfähigkeitsversicherung 2026 erklären wir, wie BU-Rente, Laufzeit und Nachversicherungsgarantie zusammenspielen — das hilft dir, ein Aktionsangebot richtig einzuordnen, statt es nur am Beitrag zu messen.

Grundsätzlich gilt für alle vereinfachten Verfahren: Nenne hier keine Versicherernamen und keine Aktionsdetails aus dem Gedächtnis. Aktionen ändern sich ständig, sie laufen aus, und die Bedingungen unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter. Was heute gilt, kann in drei Monaten schon überholt sein. Lass dir deshalb immer die aktuellen Bedingungen schriftlich geben und vergleiche sie mit einem regulären Angebot, bevor du unterschreibst.

Wenn die BU nicht klappt: Diese Alternativen gibt es wirklich

Manchmal ist das Ergebnis nach mehreren Voranfragen ernüchternd: kein Versicherer will eine klassische BU anbieten, oder nur zu Bedingungen, die du dir nicht leisten kannst. Dann ist es wichtig, nicht alles hinzuwerfen. Es gibt Alternativen, die zwar nicht so gut sind wie eine BU, aber deutlich besser als gar kein Schutz. Die Stiftung Warentest nennt hier ausdrücklich die Grundfähigkeitsversicherung, die Funktionsinvaliditätsversicherung und die Schwere-Krankheiten-Versicherung, im Englischen „Dread Disease“ genannt.

Grundfähigkeitsversicherung

Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt eine Rente, wenn du bestimmte körperliche oder geistige Grundfähigkeiten verlierst — zum Beispiel Sehen, Hören, Gehen, Treppensteigen, Autofahren oder das eigene Erinnerungsvermögen. Sie fragt nicht danach, ob du deinen konkreten Beruf noch ausüben kannst, sondern ob du definierte Fähigkeiten verloren hast. Das macht sie für Menschen interessant, deren Vorerkrankung eine BU verhindert, die aber körperlich arbeiten oder ein konkretes Risiko absichern wollen. Der Nachteil: Eine Depression oder ein Burnout, die dich berufsunfähig machen, lösen hier in der Regel keine Leistung aus, weil keine der definierten Grundfähigkeiten verloren ist. Psychische Erkrankungen sind damit die große Lücke dieses Produkts.

Schwere-Krankheiten-Versicherung (Dread Disease)

Bei einer Dread-Disease-Versicherung bekommst du eine einmalige Summe, wenn eine der im Vertrag aufgeführten schweren Krankheiten diagnostiziert wird — typischerweise Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Multiple Sklerose, je nach Tarif auch weitere Diagnosen. Das Geld kannst du frei verwenden: für eine Auszeit, für Umbauten, für die Tilgung eines Kredits oder als Überbrückung, bis eine andere Absicherung greift. Der Vorteil ist die klare, diagnosebezogene Leistung. Der Nachteil: Wer wegen eines Rückenleidens oder einer psychischen Erkrankung nicht mehr arbeiten kann, bekommt hier nichts, weil diese Ursachen in der Diagnoseliste nicht auftauchen. Außerdem ist es eine Einmalzahlung, keine monatliche Rente.

Private Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Die private Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) zahlt erst, wenn du gar keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen kannst — nicht nur deinem bisherigen Beruf. Die Hürde ist also deutlich höher als bei der BU, die schon bei 50 Prozent Berufsunfähigkeit in deinem zuletzt ausgeübten Beruf leistet. Dafür ist die EU oft leichter zu bekommen als eine BU, weil der Versicherer seltener leisten muss. Sie ist ein Kompromiss: schlechter als eine BU, aber besser als nichts. Prüfe hier genau, ob der Vertrag eine abstrakte Verweisung enthält und wie „Erwerbsunfähigkeit“ im Detail definiert ist.

Die staatliche Erwerbsminderungsrente — und ihre Lücke

Als letzte Auffanglinie bleibt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente (EM-Rente). Sie greift, wenn du aus gesundheitlichen Gründen nur noch weniger als sechs Stunden täglich irgendeiner Tätigkeit nachgehen kannst (teilweise EM-Rente) oder weniger als drei Stunden (volle EM-Rente). Voraussetzung sind grundsätzlich 60 Beitragsmonate, davon mindestens 36 Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung. Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllt — etwa als Student oder in den ersten Berufsjahren —, bekommt gar nichts. Und selbst wenn du sie erfüllst, ist die Höhe ernüchternd: Laut Rentenatlas 2025 der Deutschen Rentenversicherung sind die durchschnittlichen Bruttobeträge der Erwerbsminderungsrenten im Rentenzugang 2024 auf rund 1.176 Euro gestiegen, nach rund 1.127 Euro im Jahr 2023. Das ist brutto, vor Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen und Steuern. Für die meisten Haushalte reicht das nicht, um Miete, Lebenshaltung und Altersvorsorge zu tragen. Die EM-Rente ist also ein Argument für private Vorsorge, kein Ersatz dafür. Wenn du dich gerade erst mit den Grundlagen beschäftigst, hilft auch unser Beitrag zur BU für Studenten und unser Beitrag zur BU für Azubis — beide zeigen, warum ein früher Abschluss meist günstiger ist und warum junge Menschen ohne lange Beitragshistorie staatlich besonders schlecht abgesichert sind.

Gesundheitsfragen ehrlich beantworten — und die Fristen richtig verstehen

Der wichtigste Satz in diesem Artikel ist einfach: Beantworte jede Frage wahrheitsgemäß und vollständig — aber nur die Fragen, die tatsächlich gestellt werden. Das klingt widersprüchlich, ist aber genau die Rechtslage nach § 19 VVG. Du musst alles anzeigen, wonach der Versicherer in Textform gefragt hat und was dir bekannt ist. Du musst dagegen nicht ungefragt deine gesamte Krankengeschichte ausbreiten. Wenn ein Versicherer nur nach den letzten fünf Jahren fragt, musst du eine Behandlung von vor acht Jahren nicht angeben. Wenn er nach zehn Jahren fragt, schon. Lies deshalb jede Frage Wort für Wort und achte auf den abgefragten Zeitraum.

Als grobe Orientierung aus der Praxis der Versicherer gilt: Ambulante Behandlungen, Arztbesuche und Beschwerden werden meist für die letzten fünf Jahre abgefragt, stationäre Aufenthalte und Operationen für die letzten zehn Jahre. Bei psychischen Erkrankungen fragen viele Versicherer ebenfalls fünf Jahre ab, manche nur drei Jahre für ambulante Psychotherapie. Das sind übliche Abfragezeiträume der Branche, kein Gesetz — der einzelne Versicherer kann davon abweichen, und der Wortlaut seines Fragebogens entscheidet. Manche Anbieter fragen bei jüngeren Antragstellern auch kürzer ab, etwa nur drei Jahre für ambulante Behandlungen. Verlass dich also nie auf eine Faustregel, sondern lies den Fragebogen, den du tatsächlich unterschreibst.

So bereitest du dich konkret vor: Fordere rechtzeitig deine Patientenakte oder eine Leistungsübersicht deiner Krankenkasse an — das dauert oft zwei bis drei Wochen. Liste alle Behandlungen im abgefragten Zeitraum mit Datum, Arzt, Diagnose und Behandlungsergebnis auf. Notiere Medikamente mit Name, Dosierung und Grund der Einnahme. Sammle Abschlussberichte, die zeigen, dass eine Behandlung abgeschlossen und folgenlos ist. Und wenn du dir bei einer Diagnose unsicher bist — etwa weil im Arztbrief eine Verdachtsdiagnose steht, die sich später nicht bestätigt hat —, dann kläre das mit deinem Arzt, bevor du den Antrag ausfüllst. Eine Verdachtsdiagnose, die ungeprüft in den Antrag wandert, kann später mehr Schaden anrichten als eine ehrlich erklärte, abgeschlossene Behandlung.

Noch ein Punkt, der oft falsch verstanden wird: Nach Vertragsabschluss musst du neue Erkrankungen in der BU in der Regel nicht nachmelden. Die Gesundheitsprüfung ist mit dem Vertragsschluss abgeschlossen. Etwas anderes gilt nur für die Zeit zwischen Antrag und Annahme: Wenn der Versicherer in dieser Phase noch Fragen stellt oder wenn du nach Antragstellung eine schwerwiegende Diagnose erhältst, bevor der Versicherungsschein zugestellt ist, musst du das mitteilen. Gerichte werten ein Verschweigen in dieser Phase als arglistiges Verschweigen. Auch bei einer späteren Erhöhung der Rente über eine Nachversicherungsgarantie können neue Gesundheitsfragen fällig werden — lies auch hier die Bedingungen, bevor du die Erhöhung beantragst.

Checkliste vor dem Antrag

  • Patientenakte und Leistungsübersicht der Krankenkasse für den abgefragten Zeitraum besorgt?
  • Alle Diagnosen, Behandlungen und Medikamente mit Datum und Ergebnis aufgelistet?
  • Abgeschlossene Behandlungen mit Abschlussbericht oder ärztlicher Bestätigung belegt?
  • Spezialisierten Makler oder Berater für eine anonyme Risikovoranfrage gefunden?
  • Mehrere Versicherer anonym angefragt und die Voten schriftlich verglichen?
  • Den besten Antrag erst nach dem besten Votum gestellt — nicht vorher?
  • Ausschlussklauseln und Risikozuschläge im Angebot Wort für Wort gelesen?
  • Nachversicherungsgarantie, Laufzeit bis zum Renteneintritt und Verzicht auf abstrakte Verweisung geprüft?
  • Bei Aktionen mit vereinfachten Fragen: Bedingungen, Zielgruppe und Befristung schriftlich vorliegen?
  • Notfallplan bedacht, falls kein Versicherer eine BU anbietet (Grundfähigkeit, Dread Disease, EU)?

Häufige Fragen: BU trotz Vorerkrankungen

Kann ich eine BU bekommen, wenn ich eine Depression hatte?

Das hängt vor allem davon ab, wie lange die Behandlung zurückliegt und wie schwer sie war. Eine einzelne, abgeschlossene depressive Episode vor mehreren Jahren, seitdem beschwerdefrei und ohne Medikamente, führt in vielen Fällen zu einem Ausschluss für psychische Erkrankungen oder einem Zuschlag — aber nicht automatisch zur Ablehnung. Eine aktuelle, andauernde Behandlung oder wiederholte schwere Episoden machen die Annahme deutlich schwieriger. Entscheidend ist der Zeitabstand: In verbraucherfreundlichen Anträgen werden ambulante psychotherapeutische Behandlungen nur für die letzten drei oder fünf Jahre abgefragt. Eine anonyme Risikovoranfrage zeigt dir, wo du konkret stehst, ohne dass eine Absage aktenkundig wird.

Was ist eine anonyme Risikovoranfrage genau?

Eine anonyme Risikovoranfrage ist eine unverbindliche Vorabprüfung: Ein Makler oder Berater schickt deine Gesundheitsdaten ohne deinen Namen an mehrere Versicherer und fragt, zu welchen Bedingungen sie dich versichern würden. Du bekommst ein Votum — Normalannahme, Zuschlag, Ausschluss oder Ablehnung — und entscheidest dann, ob und bei wem du einen echten Antrag stellst. Weil keine persönlichen Daten übermittelt werden, entsteht kein Eintrag in der HIS-Datei der Versicherungswirtschaft. Eine berufsunfähigkeitsversicherung vorerkrankungen trotzdem beginnt deshalb fast immer mit diesem Schritt, nicht mit einem offiziellen Antrag.

Wie lange dauert eine anonyme Risikovoranfrage?

In der Regel zwischen zwei und vier Wochen. Die meiste Zeit vergeht nicht bei den Versicherern, sondern bei der Beschaffung der Unterlagen: Arztberichte und Leistungsübersichten der Krankenkasse brauchen oft zwei bis drei Wochen. Wer seine Akte schon vollständig vorliegen hat, bekommt die Voten meist schneller. Plane diese Zeit bewusst ein und lass dich nicht zu einem überstürzten Antrag drängen — die vier Wochen sind gut investiert, wenn sie dir eine Ablehnung ersparen.

Muss ich wirklich jede Vorerkrankung angeben?

Du musst alles angeben, wonach der Versicherer in Textform gefragt hat und was dir bekannt ist — wahrheitsgemäß und vollständig. Das ist die Anzeigepflicht nach § 19 VVG. Du musst dagegen nichts angeben, wonach nicht gefragt wurde oder was außerhalb des abgefragten Zeitraums liegt. Wenn ein Versicherer nur nach den letzten fünf Jahren fragt, ist eine Behandlung von vor acht Jahren nicht anzugeben. Lies deshalb den Fragebogen genau und antworte auf jede Frage einzeln, statt pauschal alles oder pauschal nichts zu erzählen. Wer etwas verschweigt, riskiert im Leistungsfall den Verlust des Schutzes.

Was bedeutet ein Risikozuschlag konkret für meinen Beitrag?

Ein Risikozuschlag ist ein prozentualer Aufschlag auf den normalen Beitrag. Er wird wegen einer bestimmten Vorerkrankung erhoben und bleibt in der Regel für die gesamte Laufzeit bestehen, sofern der Vertrag keine Nachprüfung vorsieht. In veröffentlichten Beispielfällen lagen Zuschläge etwa bei 15 oder 25 Prozent — das ist aber kein allgemeiner Tarif, sondern das Ergebnis einzelner Risikoprüfungen. Manche Versicherer prüfen einen Zuschlag oder Ausschluss nach einigen Jahren erneut, wenn du in der Zwischenzeit beschwerdefrei warst. Frage bei einem Angebot mit Zuschlag immer nach, ob eine Nachprüfung möglich ist und unter welchen Voraussetzungen sie stattfindet.

Was ist besser: Ausschluss oder Risikozuschlag?

Das lässt sich nicht pauschal sagen, es hängt von deiner Situation ab. Ein Ausschluss nimmt dir den Schutz für genau eine Ursache — etwa die Wirbelsäule nach einem Bandscheibenvorfall —, lässt dir aber den vollen Schutz für alle anderen Ursachen zum normalen Beitrag. Ein Zuschlag behält den vollen Schutz für alle Ursachen, kostet dich aber jeden Monat mehr. Wenn deine Vorerkrankung das mit Abstand wahrscheinlichste BU-Risiko für dich ist, kann ein Ausschluss den Vertrag fast wertlos machen. Wenn sie dagegen gut unter Kontrolle ist und andere Risiken für dich wahrscheinlicher sind, kann der Ausschluss die günstigere Wahl sein. Vergleiche beide Varianten mit deinem Berater anhand deines konkreten Krankheitsbildes — nicht anhand einer allgemeinen Regel.

Was mache ich, wenn mich alle Versicherer ablehnen?

Erstens: Prüfe, ob wirklich alle angefragten Versicherer abgelehnt haben oder nur die ersten zwei oder drei. Die Annahmerichtlinien unterscheiden sich stark, und eine breite anonyme Voranfrage ist hier der entscheidende Schritt. Zweitens: Kläre, ob eine Zurückstellung statt einer endgültigen Ablehnung vorliegt — dann kannst du es nach Ablauf einer Frist oder nach Besserung erneut versuchen. Drittens: Weiche auf Alternativen aus — Grundfähigkeitsversicherung, Dread-Disease-Versicherung oder private Erwerbsunfähigkeitsversicherung — und prüfe zusätzlich, ob ein Gruppenvertrag über deinen Arbeitgeber mit vereinfachter Prüfung für dich infrage kommt. Und viertens: Bleib bei der staatlichen Erwerbsminderungsrente realistisch. Sie ist eine Auffanglinie, aber mit durchschnittlich rund 1.176 Euro brutto im Rentenzugang 2024 kein Ersatz für ein Einkommen. Auch nach mehreren Absagen bleibt eine berufsunfähigkeitsversicherung vorerkrankungen trotzdem ein Ziel, das sich über eine neue Voranfrage nach einiger Zeit erneut prüfen lässt — etwa wenn eine Therapie länger zurückliegt oder ein Befund sich gebessert hat.

Fazit: Erst anonym fragen, dann gezielt beantragen

Eine Vorerkrankung ist kein automatisches Aus für die Berufsunfähigkeitsversicherung — aber sie verändert die Spielregeln. Wer 2026 einen Antrag ohne Vorbereitung stellt, spielt mit seiner eigenen Akte: Eine Ablehnung wird in der HIS-Datei vermerkt und macht jeden weiteren Versuch schwerer. Wer dagegen zuerst seine Unterlagen ordnet, eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern stellt und erst dann den besten Antrag unterschreibt, behält die Kontrolle. Normalannahme, Zuschlag, Ausschluss oder Ablehnung — alle vier Ergebnisse sind möglich, und alle vier sind besser als eine überstürzte Absage, die du hättest vermeiden können.

Merke dir drei Dinge: Erstens, beantworte die Gesundheitsfragen ehrlich und vollständig, aber nur das, wonach gefragt wird. Zweitens, vergleiche mehrere Voten, bevor du unterschreibst — ein Versicherer ist keine Stichprobe. Drittens, wenn die klassische BU nicht klappt, prüfe Grundfähigkeit, Dread Disease oder eine private EU, statt ganz ohne Schutz dazustehen. Und wenn du dir unsicher bist, hol dir einen spezialisierten Berater an die Seite, bevor du den ersten offiziellen Antrag stellst. Dein zukünftiges Ich — das vielleicht einmal auf diese Rente angewiesen ist — wird dir dafür danken.

Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zur Berufsunfähigkeitsversicherung bei Vorerkrankungen und ersetzt keine individuelle Versicherungsberatung. Tarife, Annahmerichtlinien und Aktionen ändern sich regelmäßig; lass dich vor einem Antrag von einem spezialisierten Makler oder einer unabhängigen Beratung zu deiner persönlichen Situation beraten.

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